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20.07.2014 – Brands Hatch (GB) – Patrik Pulkkinen (UEM Moriwaki 250 Junior Cup) – Race 6 & 7

Früh morgens am Mittwoch, dem 16.07.2014, begab sich das Team „F. Koch Rennsport & Hannes Allwardt“ auf Reisen an den englisch gelegenen „Brands Hatch Circuit“ bei Longfield. Nachdem wir die Route *Mainz-Worms-Bechtheim-Calais(FR)-Dover(EN)-Brands Hatch(EN)* bis zum französichen Calais hinter uns gebracht hatten, ging es von dort aus ein Stück mit der Fähre in Richtung Übersee-Rennen. Am frühen Nachmittag erreichten wir das englische Festland im Hafen von Dover, um von dort aus auf den linken Spuren weiter nach Brands Hatch zu fahren, welches wir etwa eine Stunde später erreichten.

Direkt nach der Ankunft säuberten Frank Koch und Hannes Allwardt zunächst den Renntransporter – Chefsache, versteht sich. Schon bei der Besichtigung des Fahrerlagers an einem Mittwoch wurde schnell klar welches Spektakel uns hier erwarten würde. Hunderte von Trucks und Wohnmobilen strömten nach und nach in das Paddock, um die Stellflächen dicht beieinander komplett auszufüllen. Attraktionen, Showbühnen, Jahrmarkt, Imbisswagen und Verkaufsstände wuchsen zu dutzenden im Zuschauerbereich aus dem Boden.

Die erste Streckenbesichtigung am selben Abend sollte nicht weniger überraschen: Während die Streckenreinigung sogar mit Wasser penibel den Schmutz vom Asphalt bürstete, mähten andere Servicekräfte sogar alle Rasenflächen, erneuerten die Farbe auf den Curbs, wuschen die Airfences, tauschten Gehwegplatten aus und putzten Scheiben. Auch die TV Teams von Eurosport2 richteten ihre Technik ein, und verkabelten die Strecke.
Es war offensichtlich, dass der Veranstalter der „British Superbike *BSB*“ nichts dem Zufall überließ, und den eintreffenden 40.000 Zuschauern etwas ganz großes bieten wollte. Die Kulisse beeindruckte uns mehr als das Event der World Superbike, welches wir im Frühjahr absolvierten, und wo die Zuschauerzahl um einiges niedriger ausfiel.

Die Strecke selbst schien absolut anders als alle anderen im Kalender. Selten erlebt man einen derart anspruchsvollen Kurs, mit unfassbaren Steigungen und Bergab-Passagen, zusätzlich gepaart mit nicht einsehbaren Kurven in welche man nahezu blind hineinsteuert. Die 4.200 Meter ließen kaum einen Moment zum Ausruhen für den Fahrer, und verlangten stattdessen eine große Menge Mut und Können ab.

Am Donnerstagmorgen besprach sich das Team über die Optionen der Motorradeinstellung, bevor es dann gemeinsam mit der Ten Kate Crew das große Fahrerlagerzelt aufbaute. Anschließend trafen unser Fahrer Patrik Pulkkinen (13, FIN) und sein Vater Sami auf der Strecke ein – sie hatten sich für den Flug von Helsinki nach Heathrow entschieden, und erreichten die Strecke mit dem Leihwagen.
Daraufhin verlor das Team keine Zeit, und entführte Fahrer Patrik bewaffnet mit sämtlichen Unterlagen auf die Rennstrecke. Zu Fuß absolvierten wir zwei Runden auf dem anspruchsvollen Kurs, um über jede Kurve, jede Bodenwelle und die verschiedenen Ideallinien zu sprechen. Kaum jemand aus dem Fahrerfeld hat die Strecke jemals gesehen, so schien es umso wichtiger sie vorab so gut wie möglich zu lernen.

Am darauf folgenden Freitag beobachteten wir die Moto3- und 125er-Klasse, und studierten im Inlay der Strecke jede Bewegung, Brems- und Einlenkpunkte. Mit den gewonnen Eindrücken begaben sich Frank Koch und Hannes Allwardt an das Einsatzmotorrad, und optimierten sämtliche Anpassungen der Strecke entsprechend.

Am Abend begann für Patrik Pulkkinen der erste aktive Einsatz im „FIM Moriwaki 250 Junior Cup“, während der „British Superbike“ in England. Bestens vorbereitet nahm unser Fahrer sein freies Training ernst, und schoss bereits in der Out-Lap allen anderen mit 3 Sekunden Vorsprung davon. Lange hielt er die erste Position, und verbesserte sich stetig in seinen Rundenzeiten. Die 30 Minuten bei praller Sonne und 27 Grad im Schatten wirkten dann aber doch auf den 13-jährigen ein, so dass es ihm erst kurz vor dem Ende gelang die vom Team gewünschte Rundenzeit von 1:42:80 zu unterbieten, und reihte sich damit auf der dritten Position ein.
Absolut zufrieden gestimmt sprachen Team und Fahrer über die gewonnen Eindrücke, und Möglichkeiten zur Verbesserung. Nachdem sich die Finnen zurück in ihr Hotel begaben, bereiteten die Mechaniker Frank Koch und Hannes Allwardt das Motorrad schon für den kommenden Tag, für das anstehende Qualifying vor.

Nach einer regnerischen Nacht begrüßte sich das Team am frühen Morgen zurück im komplett nassen Fahrerlager. Patrik Pulkkinen schien besorgt, denn das Fahren im Regen bereitete ihm bisher erheblich größere Probleme als andere Bedingungen. Coach Frank Koch nahm seine Aufgabe wahr, und besprach das Vorgehen für das nasse Qualifying intensiv mit seinem Fahrer, wobei er ihn nach bestem Gewissen zu motivieren versuchte. Auch der nervös erscheinende Vater Sami Pulkkinen wurde eingeweiht, und mit zuversichtlichen Gemütern stimmten wir das Motorrad dem schwierigen Kurs entsprechend auf die regnerischen Bedingungen ab.

Wenig später begann das wichtige Zeittraining, welches uns alle überraschen sollte. Patrik begab sich als dritter in seine Out-Lap, und pushte wie besprochen von Beginn an dermaßen hart, dass er mit Abstand als erster die Ziellinie überquerte. Patrik Pulkkinen verbesserte seine Zeit in fast jeder Runde, wobei sich der Zeiten-Monitor während der gesamten 20 Minuten überschlug. Patrik konnte seine Rundenzeiten lange unter den Top 3 behaupten, als am Ende nach sekündlichen Positionswechseln ein 6er Startplatz in Reihe 2 für ihn heraus kam. Der Verlauf, wie auch das Ergebnis stimmten das Team positiv, denn diese Entwicklung bei nassen Bedingungen haben wir uns lange gewünscht, jedoch auf dieser Strecke kaum zu hoffen gewagt. Die anschließenden Besprechungen stellten Zuversicht ein, denn die Rennen am selben Abend und am darauffolgenden Tag waren als „trocken“ gemeldet.

Das Motorrad wurde intensiv gereinigt, vorbereitet und optimiert, bevor es bei etwa 30 Grad im Schatten unter blauem Himmel mit Slick-Bereifung zurück auf die Strecke ging. Aus der zweiten Reihe startend genoss Patrik die Atmosphäre mit den tausenden Zuschauern, die sich rund um die Strecke platziert hatten um das erste Rennen zu sehen. Patrik begann den ersten Lauf mit einem verpatzten Start, welcher ihn direkt durch das Kiesbett schickte. Schnell fand er zurück auf die Strecke, während immer noch in der ersten Runde Marcel Brenner vor ihm stürzte und auf der Strecke lag. Patrik schaffte es noch gerade so die Kollision zu vermeiden, und umsteuerte den gefallenen Konkurrenten nur knapp. Mit diesem Zeitverlust blieb Patrik am Ende der ersten Runde immer noch auf Platz 6, wobei er sich in einer 5 Mann starken Gruppe befand, die hinter den führenden Filip Salac und Kevin Orgis hinterher jagte. Runde für Runde setzten sich die beiden führenden gemeinsam ab. Für die Verfolgergruppe schien es dabei unmöglich gute Rundenzeiten zu fahren, da sich die 5er Gruppe 3- bis 5-mal pro Runde gegenseitig überholte. In der letzten Runde lag Patrik auf Rang 4, als zweiter in der Verfolgungsgruppe, direkt hinter Jarno Kausch. Plötzlich wurden die Zuschauer laut und unruhig, der Streckensprecher schrie in sein Mikrofon. Kurz darauf überquerte Filip Salac die Ziellinie allein, und holte damit den Sieg. Von Kevin Orgis war keine Spur zu erkennen, als die Verfolgergruppe in das Ziel steuerte. Direkt hinter Kausch überquerte Patrik Pulkkinen als dritter die Ziellinie, und erhielt damit sein zweites Podest in Folge. Mit diesem Ergebnis rutschte Patrik von Position 5 auf 3 in der Gesamtwertung 2014.

Am Abend feierte das Team den Erfolg im Fahrerlager, auf dem Toseland Konzert und anschließend in der Paddock Bar, während Fahrer Patrik Pulkkinen sich ausruhte und auf das zweite Rennen am Folgetag vorbereitete. An diesem Abend kamen seltsame Sprachkenntnisse von Frank Koch („Suck the cat in the asshole“) und noch seltsamere Tanzkünste von Hannes Allwardt zum Vorschein.

Den amüsanten und erfolgreichen Abend aus den Knochen geschüttelt, bereitete sich das Team am Rennsonntag auf den zweiten Lauf vor. Nach letzten Anpassungen und Anweisungen rollten die Moriwaki Piloten an den Vorstart. Auch Kevin Orgis (dem wir alles Gute und schnelle Genesung wünschen!) entschied sich trotz des am Vortag gebrochenen Fußes mit an den Start zu gehen. Marcel Brenner, am Vortag gestürzt aber unverletzt, fand sich auch wieder im Start Grid ein, wo eine unvorstellbare Menge an Zuschauern rund um die Strecke auf das zweite Rennen wartete.
Dieser Start gelang etwas besser, und Patrik Pulkkinen hielt sich nicht lange auf seiner fünften Position auf, die er nach der ersten halben Rennrunde erkämpfte. Schon nach der ersten Ziel-Überfahrt fanden wir Patrik auf Platz 2 wieder, während es wieder Filip Salac war, der an erster Stelle liegend davon fuhr. Nach wenigen Runden war es der Gaststarter Rory Skinner, welcher Patrik überholte und ihn auf die dritte Position zurück zwang. Patrik handelte überlegt, und fuhr Skinner lange hinterher, studierte ihn, und überlegte sich eine gute Stelle zum Überholen. Die Verfolgergruppe rückte nun immer näher, und kam kurz vor Ende sogar komplett an Patrik und Skinner heran. In der vorletzten Runde musste Patrik zurückstecken, und überquerte die Linie nur noch als fünfter im Feld. Erst ganz am Schluss kämpfte Patrik noch einmal mit allen Mitteln, und erreichte hinter Filip Salac als zweiter das Ziel. Mit diesem dritten Podest in Folge, und dem Punkteausbau der dritten Position in der Gesamtwertung, hatte das Team allen Grund zum Feiern!
Glücklich strahlend ließ sich Patrik in der Auslaufrunde von tausenden Zuschauern bejubeln, und erreichte das Parc Fermee mit der Faust in der Luft. Die anschließende Siegerehrung und das Interview war ein Genuss für das gesamte Team. Erleichtert und motiviert für die folgenden Rennen im französischen Dijon verließen wir die Rennstrecke in Richtung Heimat.

In der englischen Hafenstadt Dover hatten Frank Koch und Hannes Allwardt noch genug Zeit, um ein altes englisches Schloss (Dover Castle) zu besichtigen, und sich die an der Küste ragenden Kreidefelsen genauer anzusehen. Das bisher sturzfreie Rennwochenende schloss Hannes Allwardt dann doch noch mit einem Crash ab, als er auf einem der Kreidefelsen ausrutschte und zu Boden ging. Laut lachend und mit kreideweißen Jacken fuhren wir auf die Fähre, welche uns sicher von Dover nach Calais brachte.

Frank Koch fährt das nächste Event in Oschersleben (25.07. – 27.07.14)
Patrik Pulkkinen fährt das nächste Event in Dijon(FR) (02.08. – 03.08.14)

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