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28.09.2014 – Brno (CZ) – Patrik Pulkkinen [CHAMPION!] & Peetu Paavilainen (UEM Moriwaki 250 Junior Cup FINALS) – Race 13 & 14

In der Nacht vom 25. auf den 26. September 2014 begab sich das Team am Freitag um 01:00 Uhr morgens auf den Weg zur tschechisch gelegenen WM-Rennstrecke „Automotodrom Brno“. Dort fanden vom 27. – 28. September die „FIM European Moriwaki 250 Junior Cup“ FINALS statt, wo unser Nachwuchsrennfahrer Patrik Pulkkinen (13J., FIN, „Ajo Motorsport Junior Project“) seine letzten beiden Chancen hatte um in den verbleibenden Rennen 13 & 14 der Saison 2014 den letzten Angriff auf den Meistertitel zu starten.

Die Situation vor dem Wochenende schien für Patrik Pulkkinen nicht die Beste zu sein, für den hoch angesiedelten Wunsch des Sieges in der Jahresgesamtwertung. Der derzeit Meisterschaftsführende Filip Salac (CZ) führe die Meisterschaft mit 21 Punkten Vorsprung vor Patrik Pulkkinen (FIN) an. Ausgerechnet die beiden letzten, alles entscheidenden Läufe wurden auf eine tschechische Rennstrecke gelegt, womit Filip Salac sich in einem deutlichen Heimvorteil sehen konnte.


European Moriwaki Cup 2014 Finals von f-koch-rennsport

Das Team „F. Koch Rennsport & Hannes Allwardt“ erreichte das Fahrerlager gegen 11 Uhr mittags, und begann unmittelbar nach der Ankunft das „Trockentraining“ mit den beiden finnischen Piloten. Wie auch schon am heimischen Hockenheimring sollte neben Permanentstarter Patrik Pulkkinen erneut der frisch gebackene Minibike Europameister Peetu Paavilainen (12J., FIN, „Ajo Motorsport Junior Project“) mit einer weiteren Wildcard an den Start gehen, um seinen Lernerfolg auszubauen und Angriffe auf das Podium zu unternehmen.

Somit verbrachten die Piloten und das Team den Freitag damit, auf der Playstation die Strecke Brno zu trainieren, auf der zuvor noch keiner der beiden Nachwuchsfahrer je gefahren ist. Nach der Erklärung von kleinen Tricks und Raffinessen zeigte das Team den beiden Finnen das moto3 WM Rennen von Brno 2014, um weitere Eindrücke über die Vielfalt der Möglichkeiten zu gewinnen.
Im Anschluss begannen die Mechaniker die Einsatzmotorräder in der Box vorzubereiten, bis sich am Abend die Möglichkeit ergab die obligatorische Streckenbesichtigung zu unternehmen, um auch live und visuelle auf markante Streckeneigenheiten aufmerksam zu machen.

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Am Samstagmorgen begann das freie Training unter eher nassen Streckenbedingungen, welche unsere beiden Nachwuchsfahrer zunächst nutzen sollten um sich ein Bild von der Strecke zu machen. Die Nutzung von Regenreifen spielte uns in dieser frühen Phase des Rennwochenendes in die Hände, da wir uns bereits vor dem Wochenende Sorgen um die kontingentierte Reifenanzahl und den Verschleiß machen mussten.
Trotz der Nässe fand Patrik Pulkkinen sofort zurück zu seiner Form des vergangenen Wochenendes in Assen, und schoss nach der Outlap als erster mit großem Vorsprung die Start-Ziel Gerade hinunter. Am Ende sicherte er sich die erste Position mit einem beachtlichen Vorsprung von 1,150 Sekunden vor der zweiten Position Vasco van der Valk (NED).
Peetu Paavilainen absolvierte den Trainings-Turn mit einem soliden vierten Platz, sehr zur Freude aller anwesenden Teammitglieder.
Im Anschluss an diese Sitzung besprach Coach und Teamchef Frank Koch die ersten Eindrücke und Schwierigkeiten der Rennstrecke mit den beiden Moriwaki Piloten. Die Mechaniker bereiteten derzeit die Motorräder für das erste Zeittraining vor, und rüsteten die Maschinen der abtrocknenden Strecke entsprechend auf ein Trocken-/Slick-Setting um.

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Am Nachmittag starteten die Kontrahenten des „FIM European Moriwaki 250 Junior Cup“ in das erste Qualifying, auf eine zu diesem Zeitpunkt komplett trockene Strecke.
Der renommierte Plan von Beginn an zu pushen, und dem Feld davon zu fahren, um alleine und ungestört schnelle Rundenzeiten abspulen zu können, ging für beide Fahrer des Teams erneut auf und erwies sich als Erfolg.
Peetu Paavilainen sah sich leider relativ früh gezwungen die Sitzung zu beenden. Nach einer Kollision mit dem Schweizer Marcel Brenner (bei der dieser stürzte), bleib für Paavilainen nur die Durchfahrt durch das Kiesbett. Die Weiterfahrt konnte Peetu für diesen Turn nicht wieder aufnehmen, und musste mit nur 2 gefahrenen Runden die achte Position in Kauf nehmen.
Patrik Pulkkinen gelang erneut die Flucht. Runde für Runde brachte er die angefahrenen Reifen an das Limit. Am Schluss gelang es ihm erneut zu dominierten – er schloss die Sitzung mit 0,350 Sekunden vor Jarno Kausch (CH) als erster ab.
Im Anschluss an das Training besprachen wir die Schaltvorgänge und Gang-Wahl mit den Piloten, bevor sich das Team erneut den Motorrädern widmete. In Hinblick auf die Rennen entschieden wir zunächst noch ein weiteres Mal mit den gebrauchten Reifen zu fahren, auch wenn wir wussten dass die Rundenzeiten am Abend im zweiten Zeittraining noch schneller werden würden.

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Nach einem langen Tag stand am Abend desselben Samstages das zweite Qualifying an. Unverändert hielten wir für unsere Piloten an der bewährten Strategie fest, möglichst alleine und vorweg die Runden herunter zu spulen – was erneut gelang.
Peetu Paavilainen sah sich nun unter leichtem Druck das verpatzte erste Zeittraining wieder gut zu machen, und steigerte seine Pace kontinuierlich, bis er am Ende einen respektablen siebenten Startplatz herausholen konnte.
Patrik Pulkkinen ließ nichts anbrennen, und beendete dieses Qualifying, wie auch zuvor, mit der ersten Position. Mit dieser optimalen Voraussetzung katapultierte er sich auf die Poleposition in der ersten Startreihe, und genoss seinen komfortablen Vorsprung von 1,381 Sekunden auf den direkten Konkurrenten Filip Salac (Startplatz 2).
In Vorbereitung auf die Rennen am darauffolgenden Tag unternahm das Team mit seinen beiden Piloten erneut eine Streckenbesichtigung, bevor es sich daran machte die Motorräder für die entscheidenden Ausfahrten vorzubereiten.

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Später am Abend gesellten sich die Teamleiter Frank Koch und Hannes Allwardt in das Media Center im Obergeschoss des Boxengebäudes, wo der Veranstalter Bike Promotion die Meisterfeier seiner DRC (Deutsche Rundstreckenchampionship) Serie abhielt. Mit der Zufriedenheit über den erfolgreichen Tag ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. An dieser Stelle gilt unser besonderer Dank dem Yamaha R6 Piloten Max Köhler (GER), für den netten und unterhaltsamen Abend.

Für das erste Rennen am Sonntagmorgen wollten wir ursprünglich für das erste Rennen den Druck auf den Meisterschaftsführenden Filip Salac (CZ) vergrößern, der zu diesem Zeitpunkt die Meisterschaft mit 21 Punkten Vorsprung anführte. Somit planten wir unabhängig von der Position im Rennen den Kontrahenten Filip zu verfolgen, und gelegentlich innen rein zu stechen – ihm ständig zeigen dass Patrik da ist. Leider hat die Situation dieses Vorhaben nicht unterstützt, so dass Patrik einfach davon gefahren ist um zu entkommen. Damit siegte er mit 7,279 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Peetu Paavilainen (12 Jahre, FIN), der hinter Patrik in der Verfolgergruppe mit harten Zweikämpfen zu tun hatte und seinen zweiten Platz grandios in das Ziel brachte! Filip Salac (CZ) fand einen guten Rhythmus für das Rennen und nahm als dritter im Ziel die 20 Punkte für Platz 2 mit (Peetu Paavilainen als Gaststarter nicht punkteberechtigt).

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Die neue Punktedifferenz zwischen Pulkkinen und Salac betrug also 16 Punkte. Für ein allerletztes Rennen sind 16 Punkte eine hohe Hausnummer. Wir rechneten aus auf welchem Platz Filip landen müsste damit es für Patrik mit dem Meistertitel ausreicht (Peetu als nicht gewerteter Gaststarter noch dazwischen). Erneut dachten wir darüber nach, welche Optionen wir haben. Wir überließen den Fahrern die Entscheidung. Schweren Herzens wägte Patrik das Risiko ab, auch in Hinblick auf das bevorstehende Selection Event des Red Bull Rookies Cup’s (Verletzungsgefahr?!). Er entschied sich für den erneuten Fluchtversuch im Rennen, um einfach davon zu fahren. Damit akzeptierte jeder von uns die Tatsache, dass Filip Salac Meister werden würde, und wir mit dem Vize-Titel nach Hause fahren.

Im zweiten Rennen blieb das Bild unverändert. Patrik schoss davon und siegte am Ende mit 10,117 Sekunden Vorsprung auf Teamkollegen Peetu Paavilainen. Peetu hatte hin und wieder zu kämpfen, verteidigte seine Position aber grandios und beeindruckte erneut als zweiter des Rennens das gesamte Team.

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Die entscheidende Situation stellte sich wie folgt dar:
Filip Salac kämpfte während des Rennens in der Gruppe hinter Patrik um die Plätze 2 bis 6. Auch ein 8. Platz hätte ihm noch gereicht um Meister zu werden. In der letzten Runde beobachteten Frank Koch und Hannes Allwardt an der Boxenmauer wie Patrik die Gerade hinunter schoss. Etwas später folgte die Gruppe danach, in welcher auch Salac kämpfte. Hannes sah ihn auf unserer Höhe hinter Marcel Brenner (CH) ausscheren, und innen ansetzen. Als wir Salac hinterher schauten sah es so aus, als verpasste er seinen Bremspunkt. Außerdem stellte sich heraus, dass Marcel innen dicht machen wollte um seine Position zu halten. Daraufhin stürzte Filip Salac in der ersten Rechtskurve nach Start-Ziel vor unseren Augen, jedoch in einer derart großen Gruppe dass zunächst nicht erkennbar war, wer genau dort den Staub im Kies aufwirbelte. Hannes meinte einen gelben Helm zu erkennen, und fragte seinen Teamkollegen Frank Koch: „Hast du das gesehen? Das war doch etwas gelbes, oder? War das Gelb? War das ein gelber Helm???“
Frank verneinte daraufhin ungläubig und wurde nervös. Wir sahen die Salac-Boxencrew, die etwas unruhig wurde. Thomas Kausch stand neben uns und meinte ebenfalls etwas Gelbes erkannt zu haben.
Allwardt kletterte aus dem Zaun auf die Boxenmauer, um Patrik zu seinem Renn-Sieg zu bejubeln, ohne zu wissen was nun eigentlich Sache war. Nach Patrik’s Zieldurchfahrt blieb Allwardt auf der Mauer, um auch Peetu für seinen zweiten Platz zu bejubeln. Er beobachtete die durchfahrende Gruppe, und meinte Filip nicht erkannt zu haben. Auch zu diesem Zeitpunkt war sich niemand wirklich sicher. Noch ein paar Sekunden später sahen wir Salac dann mit dem Kopf auf dem Tank an uns vorbei die Gerade herunter fahren.
Hannes sprang von der Mauer, und sah auf den Bildschirm. Filip Salac wurde als 12. abgewunken. Ohne Peetu bedeutete das den 11. Platz für ihn, und uns wurde klar was das bedeutet. Hannes versuchte Frank zu erklären dass wir Meister geworden sind, der wiederum nichts mehr sagen konnte und sich keinen Millimeter bewegte. Mit zitternden Händen steckten wir gemeinsam das „P1 2014“ auf das Pitboard, und hielten es Patrik hin als er von seiner Auslaufrunde zurück in die Boxengasse kam. Dieser konnte das gar nicht begreifen – hatten wir ihm doch das ganze Rennen über die Position von Filip mit aufs Pitboard geschrieben welcher dort ständig auf Platz 3-6 angezeigt wurde. Er fragte was los sei. Allwardt antwortete: „You are Champion!!!“ woraufhin Patrik fragte: „No! Really? Really???“.
Er sprang vom Motorrad und riss die Arme in die Luft. Alle schrien und jubelten völlig ausgelassen.
Patrik ging sofort zu Filip um ihm die Hand zu reichen, welcher völlig aufgelöst war.

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In der Bilanz stellte sich das Wochenende wie folg dar:

Patrik Pulkkinen:
– Alle Sessions dominiert
– Rundenrekord Moriwaki in Brno
– Beide Rennen mit großem Vorsprung gewonnen
– „FIM European Moriwaki 250 Junior Cup“ Meistertitel gewonnen

Peetu Paavilainen:
– in seinem zweiten Gaststart mit dem Team 2 x Platz 2 im Rennen

Somit erzielte das Team an diesem Wochenende die maximale Erfolgs-Ausbeute und erntete den Meistertitel, welcher in den Norden nach Finnland geht.

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Patrik Pulkkinen: „Ich kann nicht glauben dass ich Meister bin! Ich bin Meister! Ich weiß nicht was passiert ist, aber ich habe den Titel und bin absolut happy. Danke an mein Team, an Frank, Hannes, an meine Eltern und an überhaupt alle“

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Frank Koch: „Die Leute haben angefangen uns auf den Rücken zu klopfen und zu gratulieren. Ich habe lange gebraucht um meine Stimme wieder zu finden. Begreifen kann ich es immer noch nicht. Ich habe nicht verstanden was da gerade passiert ist, aber ich freue mich unheimlich für Patrik. Das Wochenende war ein ganzer Erfolg“

Hannes Allwardt: „Es ist unglaublich. Wir haben uns vorher mit dem zweiten Platz abgefunden, und wollten nur noch den Rennsieg mitnehmen. Und jetzt ist es einfach passiert. So ist Rennsport nunmal – erwarte das Unerwartete. Wenn man die Entwicklung von Patrik, und die Einzelergebnisse von ihm und Peetu betrachtet, dann hatte diese Saison Durchschlagskraft. Wir arbeiten in dieser Konstellation das erste komplette Jahr zusammen, und ich kann nicht sagen dass wir Gründe hätten damit aufzuhören.“

Peetu Paavilainen: „Das war mein zweiter Gaststart hier. Von vier Rennen meiner zwei Wildcards habe ich 3 beendet, und davon eins gewonnen und zwei Mal Platz 2 erreicht. Ich bin sehr glücklich, und weiß jetzt für das nächste Jahr wo ich stehe und woran ich noch arbeiten muss. Glückwunsch an meinen Freund Patrik, für die Meisterschaft die er zu uns nach Finnland geholt hat.“

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